„Wir lesen! Kreative Wege in der Leseförderung“

 

Die Internationale Bibliothekskonferenz des Büchereiverbandes Österreichs (BVÖ) ging am 10. Juni 2013 in der Wiener Urania erfolgreich zu Ende. Am Abend überreichte Bundesministerin Claudia Schmied den mit 5.000 Euro dotierte „Preis der jungen LeserInnen“ an Michaela Holzinger für ihren ersten Jugendroman „Funkensommer“.

 

Die Internationale Bibliothekskonferenz „Wir lesen! Kreative Wege in der Leseförderung“ war ein voller Erfolg: Mehr als 180 BibliothekarInnen kamen am 10. Juni 2013 in die Wiener Urania, um dort neue Strategien in der Leseförderung zu diskutieren. Vor allem das Workshop-Programm am Nachmittag war gespickt mit Höhepunkten: Renommierte ReferentInnen aus Österreich, Italien, Deutschland und der Schweiz lieferten viele inspirierende Ideen für die praktische Vermittlungsarbeit in der Bibliothek. Einmal mehr zeigte sich damit, dass Öffentliche Bibliotheken sehr wohl eine Antwort zur Behebung von Lesedefiziten sein können.

 

In seiner Festrede hielt der Autor und Essayist Karl-Markus Gauß ein beeindruckendes Plädoyer für das zweckfreie Lesen: „Wer liest, führt viele Leben, probeweise, tageweise, und da ihm biologisch doch immer nur dieses eine bleibt, das er hat, wird er es, durch die Lektüre bestärkt oder verunsichert, womöglich anders zu gestalten versuchen, als es ihm vorgegeben wurde. Lesen kann eine heilsame Irritation bedeuten, aber auch Bestärkung, Ermutigung.“

 

Danach referierte Gerald Leitner über das „Recht zu lesen“. 28 Prozent der SchülerInnen in Österreich könnten nicht sinnerfassend lesen und hätten Schwierigkeiten, am Alltagsleben teilzunehmen oder eine Ausbildungsstelle zu finden. Das wäre ein „gravierendes gesellschaftliches Problem“, das die Schule nicht allein bewältigen könnte. Leitner forderte, dass Bibliotheken in die nationale Bildungspolitik eingebunden werden. Zudem wäre es nötig, regionale Unterschiede in der Versorgung mit Bibliotheken zu beseitigen und besseren Zugang zu Büchern und Wissen zu schaffen.

Als entscheidende Frage für die Zukunft der Bibliotheken nannte er den Umbruch des Buchsektors. E-Books würden an Bedeutung gewinnen – doch Bibliotheken wären derzeit an den guten Willen der Verlage gefunden, ihnen E-Book-Lizenzen zu verkaufen. Er sprach sich für ein „modernes Urheberrecht“ aus, „welches den Bibliotheken erlaubt uneingeschränkt E-Books zu kaufen, zu verleihen und dafür den AutorInnen eine angemessene Vergütung zu erstatten.“ Leitner, der die Task Force for E-Books der EBLIDA leitet, gab noch eine Vorschau auf die europaweite Kampagne „The right to e-read“.

 

Präsentiert wurde auch das neue Leseförderungsprojekt des BVÖ. „Wir wollen mit diesem Projekt innovative Wege gehen und die ausgetretenen Pfade der Literaturvermittlung verlassen: Wir glauben nämlich, dass der gesellschaftliche und kulturelle Wandel neue Formen bedingt und dass wir mit alten Antworten unser Ziel nicht erreichen“, erklärte dazu BVÖ-Geschäftsführer Gerald Leitner. Erstmals wurde im Rahmen der Konferenz auch eine Vorschau auf das geplante Leseförderungsportal www.wirlesen.org gegeben, das pünktlich zu Beginn der „Österreich-liest. Treffpunkt Bibliothek“-Woche am 14. Oktober 2013 vorgestellt werden wird und neben vielen informativen Inhalten und einem Ideenpool beispielsweise auch eigens erstellte Videos enthalten wird. Gerald Leitner: „Nur mit Ihnen gemeinsam können wir aber ein so ambitioniertes Projekt vorantreiben: Wir sind angewiesen auf Ihre Ideen und freuen uns über Ihre Anregungen!“

 

Für das lustvolle Lesen setzte sich schließlich die Aktion „LESERstimmen – Der Preis der jungen Leserinnen“ ein Zeichen. Diese fand am Abend der Konferenz im Beisein von Bundesministerin Claudia Schmied vor rund 130 Gästen aus Politik und Kultur im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung ihren vorläufigen Abschluss. Die größte Jurys Österreichs – 1,1 Millionen LeserInnen in Öffentlichen Bibliotheken und Schulbibliotheken – hat entschieden: Der mit 5.000 Euro dotierte „Preis der jungen LeserInnen“ geht an Michaela Holzinger für ihren ersten Jugendroman „Funkensommer“.

 

„Lesekompetenz ist eine wichtige Voraussetzung für die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben“, erklärte dazu Claudia Schmied. „Es ist daher eine zentrale bildungs- und kulturpolitische Aufgabe, die Freude am Lesen bei allen Bevölkerungsgruppen und ganz besonders bei jungen Menschen bestmöglich zu fördern. Die öffentlichen Bibliotheken in Österreich leisten mit ihren vielfältigen Angeboten dafür einen wesentlichen Beitrag. Die Verleihung des „LESERstimmen“-Preises zeigt die gute Kooperation zwischen den Österreichischen Büchereien und meinem Ministerium. Es ist unser gemeinsames Ziel, die Literatur zu den Menschen in Österreich zu bringen und mit der Förderung der Lesekompetenz das Leben aller Menschen in Österreich zu bereichern.“

 

Eine ausführliche Nachberichterstattung zur Konferenz sowie die Festreden von Karl-Markus Gauß und Heinz Janisch können Sie in Kürze in den Büchereiperspektiven  nachlesen. Dort finden Sie auch Beiträge der Workshop-LeiterInnen sowie einen umfassenden Nachbericht zur Konferenz. Die Büchereiperspektiven stehen Ihnen ab Mitte Juli zudem als e-paper zur Verfügung unter www.bvoe.at/Buechereiperspektiven.

 

Eine Bildergalerie mit Fotos von Konferenz und LESERstimmen-Preisverleihung finden Sie auf http://wirlesen.bvoe.at/bilder.

 

Biografien und Informationen zu den Workshops und Vorträgen sind unter dem Menüpunkt http://wirlesen.bvoe.at/vortraege versammelt.